Das Klimaticket in Österreich – Schon eine Erfolgsgeschichte?

Klimaticket ÖsterreichDas Klimaticket soll in Österreich dazu beizutragen die Emissionen des Straßenverkehrs zu reduzieren, indem es die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel durch eine Einmalzahlung für ein Jahr ohne weitere Kosten ermöglicht. Ausnahmen bestehen dabei nur bei touristischen Verkehrslinien, wie beispielsweise die Schafbergbahn im Salzkammergut, für die das Klimaticket keine Gültigkeit hat.
Neben dem österreichweit gültigen Klimaticket unterliegt es den Bundesländern auch regionale Ableger zur Verfügung zu stellen, die dann allerdings günstiger erhältlich sind. Das Klimaticket Österreich (Classic) ist übrigens für 1.095€ (Stand: 15.02.2022) zu haben.
Doch verbirgt sich dahinter wirklich die Erfolgsgeschichte, die sich laut Regierung bereits abzeichnet?

Die Idee hinter dem österreichischen Klimaticket

Die Idee ist einfach: Wenn der öffentliche Verkehr attraktiver wird, dann werden die Menschen weniger Strecken mit dem Auto zurücklegen, wodurch man die Emissionen im Straßenverkehr reduzieren kann und so einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leistet. Das Klimaticket soll den entscheidenden Faktor darstellen, warum die Menschen auf den öffentlichen Verkehr ausweichen, indem es sozusagen eine Flat-Rate für den Linienverkehr darstellt. Einmal zahlen und dann für ein Jahr so viel Fahren wie man will. Das hört sich doch gut an, oder etwa nicht?

Das Problem des Klimatickets

Man kann mit Sicherheit sagen, dass viele Menschen eben auf solch eine Möglichkeit gewartet haben. Jedoch liegt die Vermutung nahe, und das werden uns die Zahlen zum Jahresende 2022 wahrscheinlich bestätigen, dass das Klimaticket eben von jenen Menschen heißt, erwartet und nun auch genutzt wird, welche ohnedies ihre Wege mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt haben. Für diese ist es günstiger als die bis dato verfügbare Ermäßigungen und so eine willkommene Einführung der Bundesregierung.
Ob aber andere, die ihre Wege normalerweise mit dem Auto zurücklegen, von dieser Möglichkeit Gebrauch machen wollen, bleibt abzuwarten. Die Vorteile des Autos können zwar durch einen Kostenfaktor geschmälert werden, allerdings überwiegt eben die Unabhängigkeit, die dadurch geboten wird, oft die Nachteile. Schließlich verfügen wir in Österreich nicht unbedingt über japanische Verhältnisse, wo Zugausfälle praktisch nicht vorkommen und die durchschnittliche Jahresverspätung ungefähr bei 10 Sekunden liegt. Im Vergleich dazu wird in Österreich, auf der Website der ÖBB, momentan von einer Pünktlichkeit von <= 5 Minuten gesprochen (siehe Pünktlichkeitswerte Österreich). Genauere Zahlen findet man nur von 2017 in einem Artikel des Österreichischen Rundfunks (ORF) in welchem von einer „Verspätung je Zug bei zwei Minuten und drei Sekunden“ gesprochen wird (siehe https://oesterreich.orf.at/v2/stories/2922906/). Wohlgemerkt ist das der Durchschnitt pro Zug! Wenn also mal 30 Züge pünktlich waren, dann dürfen sich die Gäste des 31 Zugs schon mal auf eine Stunde Verspätung einstellen. Seltsamerweise ist dieser 31ste Zug immer genau jener mit dem man selbst unterwegs ist…

Die entscheidende Frage ist, ob der öffentliche Verkehr an sich attraktiv genug ist, um auf das Auto zu verzichten. Beim momentanen Stand würden wir diese Frage mit einem klaren „Nein!“ beantworten, wobei zwischen Fern- und Nahverkehr unterschieden werden muss. In den Städten ist das Angebot zwar befriedigend, wobei das Klientel für das Klimaticket hier wieder jene sein werden, die ohnedies bereits öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
So sieht zumindest unsere Meinung zum Klimaticket in Österreich aus.

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